Sie sind hier

Startseite

Europäische Kommision verlängert Beweisaufnahme gegen Google

Die Europäische Kommission fordert interessierte Dritte zur Stellungnahme zu den Verpflichtungszusagen von Google auf. Zwar hatte der Konzern der Kommission bereits vier möglicherweise gegen das Kartellrecht verstoßene Geschäftspraktiken mitgeteilt und Lösungsvorschläge angeboten, allerdings geht dies vielen Konkurrenten nicht weit genug. EU-Kommissar Joaquin Almunia geht derzeit davon aus, dass Google sein Angebot nachbessern wird müssen.

Der Suchmaschinenriese hatte bereits vorgeschlagen, über einen Zeitraum von fünf Jahren verschiedene Zugeständnisse zu machen. Darunter war die deutliche grafische Kennzeichnung der Links zu eigenen spezialisierten Suchdiensten und leicht sichtbare Links zu mindestens drei konkurrierenden Suchdiensten. Um die Nutzung der Inhalte Dritter innerhalb Googles nicht unerlaubt geschehen zu lassen, will der Konzern außerdem eine Opt-out Möglichkeit anbieten, die nicht zulasten des Suchmaschinenrankings der betroffenen Seite geht. Auf diese Weise ist es Webmastern möglich, Inhalte auszuschließen, ohne befürchten zu müssen, von Google-Usern nicht mehr gefunden zu werden. Dies gilt auch für Zeitungsverleger und spezialisierten Suchdiensten. Auch die Werbung soll freier gestaltet werden. So müssen sich Verleger nicht mehr verpflichten, ihren Suchmaschinenbedarf lediglich über Google zu decken und auch Werbetreibende sollen nicht mehr davon abgehalten werden, ihre Suchmaschinenmarketing plattformübergreifend zu gestalten.
 
Das Verfahren wurde bereits im November 2010 eingeleitet. Im schlimmsten Fall droht Google eine Geldstrafe bis zu zehn Prozent des Umsatzes. Der Schlusstermin der Ermittlungen wurde außerdem auf den 27.06.2013 verschoben. Bis dahin haben Kritiker Zeit, weitere Einwände einzureichen. Der Streit dreht sich hauptsächlich um die sogenannten vertikalen Suchdienste, Konflikte mit Zeitungen und Verlegern und Probleme zwischen den Werbepartnern. Spezialisierte Produktsuchmaschinen und Datenschützer kritisieren den mit 90 % klaren Marktführer, da Google die eigenen Ergebnisse nicht ausreichend kennzeichnen würde und außerdem Resultate von anderen Anbietern nicht prominent genug anzeigen. Während das amerikanische Kartellamt die Ermittlung gegen Google bereits im letzten Jahr einstellte, scheint es derzeit so, als würde dem europäischen Kartellamt die Zugeständnisse von Google nicht weit genug gehen.