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Lokalisierung des Bewusstseins und der Identität im Gehirn - Teil 1

Die Lokalisierung des Bewusstseins im Gehirn stellt die Neurowissenschaften vor verschiedene Probleme. Zum einen gibt es aufgrund der Tatsache, dass der Mensch das einzig mögliche Versuchsobjekt ist, ethische Beschränkungen in den Versuchsanordnungen. Ein weiteres Problem ist, dass der Versuch der Beantwortung dieser Frage einen Kategorienfehler beinhaltet, da Bewusstsein keine messbare Größe, sondern ein durch Kultur bestimmter Begriff ist. Ein drittes wesentliches Problem ist die Tatsache, dass Bewusstsein subjektiv ist und deswegen objektiv nicht erfasst werden kann.

Ich kann diese Probleme nicht umgehen. Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist die Frage nach dem Sitz des Bewusstseins oder der Identität nicht beantwortbar. Was aber meiner Meinung nach durchaus erlaubt sein muss, ist aus vorhandenen, objektiv gewonnen Erkenntnissen Schlüsse zu ziehen. Diese bewegen sich dann natürlich nicht mehr auf einer rein (natur-)wissenschaftlichen Ebene und können keine unumstößlichen Erkenntnisse, sondern immer nur Interpretationen sein. Bewusstsein wird häufig als eine Ansammlung verschiedener Fähigkeiten interpretiert. Ich werde im Folgenden auf verschiedene dieser Fähigkeiten eingehen und inwiefern diese im Gehirn lokalisierbar sind. Ich werde außerdem dabei versuchen auf Erkenntnisse, die durch fMRT (ein bildgebendes Verfahren) gewonnen worden sind, zu verzichten und für mich noch eindeutigere Studien anführen.

Erinnerung ist beispielsweise messbar und wird häufig als bewusstseinskonstituierend angesehen. Erinnerungen werden anscheinend an verschiedenen Stellen in der Großhirnrinde gespeichert, nachdem die Informationen vom Hippocampus gefiltert worden sind. Sind beide Hippocampi funktionsunfähig, so sind die betroffenen Menschen nicht mehr in der Lage, sich neue Informationen zu merken, wie es beispielsweise der Fall Henry Gustav Molaison zeigt (Schmolck, Kensinger, Corkin, 2002). Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass bei Menschen deren Erinnerung eingeschränkt ist, auch die Fähigkeit, sich Dinge vorzustellen, also zu planen, geringer ist (Hassabis et al., 2007). Der Hippocampus scheint außerdem auch für die Sinnstiftung verantwortlich zu sein, allerdings habe ich keine Versuchsergebnisse gefunden, die ich in diesem Zusammenhang als völlig überzeugend interpretieren würde.