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Bis zu drei von zehn Produktbewertungen im Internet gefälscht

Wer Reviews im Internet liest, geht davon aus, dass sie die tatsächlichen Erfahrungen wiederspiegeln. Leider scheint dies immer seltener der Fall zu sein. Das Technikmagazin "Audio Video Foto Bild" gab selbst fingierte Produktbewertungen in Auftrag und stellte bei seinen Recherchen fest, dass bis zu 30 % aller Reviews gezielte Täuschungen sind. Fälschungen finden sich dabei in den verschiedensten Produktkategorien: Von Elektronikartikel über Bücher bis hin zu Hotels finden sich falsche Bewertungen. Da Rezensionen für Internetkäufer extrem wichtig sind, entscheiden gute Kritiken häufig über den Verkaufserfolg der Artikel.

Bekannt geworden ist das Beispiel des Schriftstellers John Locke. Der Autor von CIA-Thrillern war der Erste, dem es gelang unabhängig von der Unterstützung eines Verlags eine Million E-Books zu verkaufen. Er gab zu, Rezensionen, bei der inzwischen vom Netz genommenen Webseite gettingbookreviews.com bestellt zu haben. Gettingbookreviews bot an, für knapp 1.000 Dollar 50 euphorische Besprechungen eines Buches auf den wichtigen Formen (vor allem Amazon) zu plazieren. In ihren besten Zeiten nahm die Internetseite fast 30.000 US-$ monatlich ein. Der Dienst wurde schließlich aufgrund von Problemen mit Google eingestellt. Erfinder Rutherford arbeitet allerdings an einer neuen Lösung und schreibt weiter für Geld Rezensionen. Dass sich die Täter damit strafbar machen und Anzeigen wegen unlauteren Wettbewerbs oder Betrugs die Folge sein können, ist kein Hinderungsgrund. Den Portalen sind die Hände gebunden: Zwar versuchen sie, Falschbewertungen herauszufiltern, gelingen tut dies jedoch nur teilweise. Häufig rezensiert ein Fake-Account nicht mehr als ein Produkt pro Tag, es werden Rechtschreibfehler eingebaut um die Review authentischer zu gestalten und ohnehin lassen sich falsche Rezensionen nur schwer von echten unterscheiden. Marktführer Amazon versucht neuerdings, vertrauenswürdige Rezensionen zu kennzeichnen, deren Autor das Produkt tatsächlich beim Konzern erworben hat. Allerdings haben viele Agenturen, die Fälschungen anbieten, ihr Dienstleistungsspektrum dahingehend erweitert, dass sie den Artikel vorher bei Amazon erwerben und rechtzeitig zurücksenden. Dem Nutzer bleibt nur die Möglichkeit, vor allem zu euphorische Bewertungen eher mit Vorsicht zu genießen.