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Gesichtserkennung im Einzelhandel?

Für den Einzelhandel klingt es verlockend: Wer seine Kunden bereits am Eingang erkennt und Informationen über Kleidergröße, Interessen und bereits gekaufte Gegenstände besitzt, kann Werbung und Angebot für ihn optimieren. Bei vielen sorgt dieser Gedanke jedoch für Entsetzen und kaum einer will überall erkannt werden, wo er hingeht. In manchen Hotels ist dieses Verfahren jedoch bereits jetzt Realität.

Zugegebenermaßen ist die Technologie bis jetzt in Deutschland noch nicht angekommen, in den USA, Großbritannien und Asien sind jedoch bereits ein Dutzend gehobener Hotels damit ausgestattet. Sie sollen vor allem den Service verbessern. Kunden, die von den Mitarbeitern erkannt werden, mit dem Namen angesprochen werden und die bereits genutzte Serviceangebote angeboten bekommen, fühlen sich wertgeschätzt. Hingegen ist es gerade bei Stammgästen und berühmten Persönlichkeiten ein Fauxpas, wenn sie nicht wiedererkannt werden. NEC IT Solutions bietet dem Hotelgewerbe nun eine Technologie an, die ursprünglich dafür entwickelt wurde, Terroristen zu erkennen. Per Gesichtserkennung wird der Gast identifiziert und die Datenbank nach in Anspruch genommenen Serviceleistungen durchforstet.

Grundsätzlich gilt die Gesichtserkennung als das Mittel für personalisierte Werbung. Auch Kraft Foods und Adidas hatten bereits angekündigt, die Technologie zu diesem Zwecke einzusetzen. Die Anwendungsmöglichkeiten sind dabei vielfältig. Vor allem digitale Schilder und Automaten könnten in Zukunft standardmäßig mit Gesichtserkennung arbeiten, doch auch für Einzelhandelsgeschäfte und Einkaufszentren ist die Technologie interessant. Größtes Hindernis ist die gesellschaftliche Akzeptanz. Die meisten Verbraucher bewerten diese Entwicklung kritisch und ziehen anonymes Einkaufen vor.

Diese Meinung ist jedoch in Deutschland ausgeprägter als in vielen Teilen der Welt. In Kanada wird die Technologie bereits eingesetzt um pathologische Spieler aus Casinos fernzuhalten. Die Versuche, Gesichtserkennung in den Alltag zu integrieren, werden also immer häufiger. Auch wenn es derzeit noch so ist, dass Programme wie „Recognizr", das Menschen auf der Straße per Gesichtserkennung mit ihren Profilen in Social Networks verknüpft, für großes Unbehagen sorgen, wird eine schrittweise Gewöhnung vermutlich dafür sorgen, dass die Gesichtserkennung aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken ist.