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Spiele Experimente 2: “To The Moon”

Auch mit “To The Moon” geht Spiele-Designer Kan R. Gao einen ungewöhnlichen Weg. Er versucht, das Medium Spiel zu nutzen, um eine Geschichte zu erzählen. Das Spiel wird dabei zum Hintergrund. Gao geht es dabei eher um das Experiment als um das Spielvergnügen. Dass sich beides nicht automatisch ausschließen muss, beweisen zahlreiche positive Kritiken. Dennoch legt der Spieleentwickler viel Wert darauf, dass der Spielhintergrund eher als Gefäß für die Erzählung zu sehen sei.

Die Geschichte, die dabei erzählt wird, dreht sich um Johnny, der nicht mehr lange zu leben hat. Zwei Wissenschaftler sollen ihm dabei helfen, einen lang gehegten Traum zu erfüllen: Johnny will auf dem Mond gewesen sein. Dr. Eva Rosalene und Dr. Neil Watts sollen dazu seine Erinnerung so verändern, dass er glaubt, tatsächlich eine Mondlandung miterlebt zu haben. Dafür müssen sie in seine Erinnerung reisen und erhalten Einblick in verschiedene Lebensstationen des alten Mannes. Dabei stehen sie vor dem Problem, dass der jüngere Johnny überhaupt nicht Astronaut werden möchte. „To The Moon“ schneidet damit also zahlreiche philosophische und teils sehr aktuelle Themen an: Nicht nur die Frage, ob falsche Erinnerungen besser sind als echte, auch das Problem eines „richtig“ gelebten Lebens wird thematisiert.

Fast nebenbei erfüllt der Spieler Rätsel in einfacher Point&Click-Manier. Hektisch geht es dabei nie zu, spannend ist die Geschichte dennoch. Das RPG-Adventure-Spiel ist komplett in 2D gehalten. Laut Gao liegt das Fehlen von aufwendigen Grafik-Effekten nicht nur an der Effizienz und Nostalgie, sondern auch am ästhetischen Wert. Teilweise weist „To the Moon“ sogar Elemente eines Metagames auf, was das Spiel gerade für Fans älterer Spieler noch interessanter macht. Gao hatte dies zwar nach eigenen Aussagen nicht im Kopf, dennoch finden sich zahlreiche popkulturelle Referenzen. Ein besonderer Pluspunkt ist die Musik, die die schön erzählte Geschichte atmosphärisch unterstreicht. Wie gut das Konzept funktioniert, zeigen Kommentare auf YouTube, in denen Spieler davon berichten, sie hätten die Tränen nicht zurückhalten können.

„To the Moon“ ist für den PC per Download auf www.freebirdgames.com für knapp zehn Euro erhältlich. Die Spieldauer beträgt ungefähr 4,5 Stunden.