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Travian – Wer erfolgreich sein möchte, muss online sein

Travian ist ein weiteres browserbasiertes Multiplayer-Strategiespiel. Der Spieler fängt mit einem kleinen Dorf an, dass er nach und nach aufbaut. Die Grafik ist niedlich, aber nicht besonders aufwendig. Auch das Spiel an sich besticht durch relativ einfach gehaltenes Gameplay, dessen volles Potenzial auf dem ersten Blick nicht ersichtlich ist.
Wichtig bei Travian ist nämlich, dass jeder von jedem anderen Bewohner der Welt nach einer kurzen Schutzzeit angegriffen werden kann. Ist der Angriff erfolgreich, klaut der Angreifer dem angegriffenen Rohstoffe. Es ist also klar, dass Spieler, die andere Spieler erfolgreich angreifen, schnell größer und mächtiger werden. Um bei Travian erfolgreich zu sein, sind also zwei Dinge entscheidend: Zum einen so oft wie möglich online zu sein, um die Rohstoffe regelmäßig zu verbauen, und zum anderen so oft wie möglich online zu sein, um Rohstoffe zu farmen (also anderen Spielern zu klauen). Dies ist wesentlich für das Suchtpotenzial des Spiels, das wirklich Spaß macht, ist jedoch in meinen Augen auch der größte Nachteil: Es gibt zwar die Möglichkeit, sich mit Spielern, denen man vertraut, einen Account zu teilen und sich Online-Zeiten einzuteilen. Dies ist jedoch für die Top-Accounts nicht ausreichend, sodass dort häufig Farm-Bots genutzt werden, zumal ab einer gewissen Truppenstärke kaum noch überschaubar ist, wann wo gefarmt werden soll und welche Truppen gerade wo sind. Deswegen sind – obwohl verboten – Farm-Bots häufig im Einsatz.
Das Spiel, das durchaus Potenzial bietet, krankt also in meinen Augen ein wenig an der dauernden Notwendigkeit, online zu sein. Gerade für Gelegenheitsspieler und Anfänger wird Travian somit eher frustrierend. Hinzu kommt, dass wer oben mitspielen möchte, dies nur durch Goldkauf, also durch das Einsetzen von realem Geld, erreichen kann. Da die Truppen Getreide kosten, Getreide aber begrenzt ist, kann eine gewisse Truppenstärke nur dann erhalten werden, wenn durch Geld eine erhöhte Getreideproduktion aktiviert wird. Da das Militär das Wichtigste im Spiel ist, ist für erfolgreiches Spielen Geld fast schon Pflicht. Wer sich jedoch nicht scheut, einiges an Zeit und auch manches an realem Geld zu investieren, dem sei Travian ans Herz gelegt. Gerade gegen Ende der Runden, wenn das Weltwunder gebaut wird und man daran beteiligt ist, ist das Spiel wirklich spannend. Auch Travian lebt nämlich davon, dass sich Mitspieler in Allianzen organisieren, die für ein Ziel – den Weltwunderbau – kämpfen, sich gemeinsam die Nächte um die Ohren hauen, fachsimpeln, wie groß der nächste Angriff sein wird, sich Sorgen um die Getreideversorgung der Defensivtruppen machen und rätseln, wer der Maulwurf ist, der deren Größe an die Konkurrenz verraten hat. Wer jemals hören wollte, wie erwachsene Männer auf Teamspeak über einen Spielsieg jubeln als sei Deutschland Fußballweltmeister, sollte sich bei Travian anmelden – und genügend Zeit und Ehrgeiz mitbringen.